Die Vertreibung aus dem Serail
Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt

Die Vertreibung aus dem Serail

Män­ner­schwarm, 2008.
Kart. – 168 S. – EUR 16,00.

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.

Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des „Orient“ noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des „aufgeklärten“ Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.

Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Autor, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.

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  • „Es ist beeindruckend, auf welch engem Raum Klauda hier nicht nur Historisches darlegt, sondern auch weitgehende Thesen entwickelt. Die Vertreibung aus dem Serail bewegt sich fernab der öden Foucault– und Butler-Nachbeterei. Es handelt sich um einen originären, gewissenhaften Beitrag zu einer materialistischen Geschichte der Geschlechterverhältnisse.“

    ~Jakob Schmidt, Phase 2

  • „In die immer mal wieder in die Mainstream-Medien schwappende Debatte um schwulen­feindliche Übergriffe von Tätern mit Migrationshintergrund und die Schwulen­feindlichkeit des Islam knallt jetzt ein Buch, das kenntnisreich mit einer ganzen Reihe von Ressentiments und rassistischen Vorurteilen aufräumt.“

    ~Dirk Ruder, junge Welt

  • „Es ist, um es gleich zu sagen, einer der in Deutschland seit Jahren profundesten Beiträge zur sexualpolitischen Debatte geworden – und zugleich eine glänzende Streitschrift wider die Borniertheit, mit der man sie hierzulande im Allgemeinen führt; genau die Stellungnahme also, die jetzt gebraucht wird.“

    ~Salih Alexander Wolter, Rosige Zeiten

  • „Klaudas Verdienst ist es indes, diesen Wahn und diese ‚grotesken Formen‘ von Schwulen­feindlichlichkeit in den islamischen Ländern in den Rahmen der rationalen, wie gleichermaßen irrationalen Formen der Moderne zu stellen.“

    ~Karl-Heinz Lewed, Krisis

  • „Bleibt zum Schluss nur noch zu sagen: was für ein tolles und erkenntnisreiches Buch! Eine der wenigen Arbeiten zu diesem Thema, […] die die Oberflächlichkeiten [….] beiseite schiebt bzw. kritisch analysiert, Projektionen und eurozentrische Denkmuster hinterfragt und somit einen wichtigen und produktiven Beitrag gegen […] stereotypisierende Hetze leistet“.

    ~Sebastian Kalicha, graswurzelrevolution

Rezension